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Nora Brockamp

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Die Zeitungen schreiben über den Breitbandausbau, das 5G-Netz, WLAN in Schulen oder Interaktive Whiteboards und Tabletklassen. Doch wenn man sich die Realität anschaut, stellt man fest: Mit Technik umgehen können viele junge Leute, nur was inhaltlich in den Medien passiert, verstehen sie nicht immer. Hier müssen Lernen mit und über Medien zusammenspielen. Hörerziehung, wie sie Ohrenspitzer praktiziert, verbindet genau diese Bereiche und hat deshalb einen sehr hohen Stellenwert, so Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums.

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Damit Medienkompetenz über das Technische hinaus umgesetzt werden kann, braucht es gute Zusammenarbeit, die Ohrenspitzer in der Kooperation zwischen der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) und dem Südwestrundfunk (SWR) seit einigen Jahren vorzeigt. Das ausgefeilte, wissenschaftlich und pädagogisch fundierte Projekt ist sehr erfolgreich. Über die lange Laufzeit hat es sich über die Großstädte hinaus in alle Landkreise verbreitet. 100 Workshops und Fortbildungen wurden im vergangenen Jahr durchgeführt. Dabei hat es gegenüber anderen Projekten vor allem einen Vorteil: Es braucht wenige Ressourcen – der Ohrenspitzerkoffer stellt alle Hilfsmittel zur Verfügung – und ist, ohne großen Mehraufwand in den normalen Unterricht zu integrieren. Es orientiert sich zudem am Bildungsplan. Dr. Wolfgang Kreißig, Direktor der LFK resümiert daher: „Ohrenspitzer ist ein Vorzeigeprojekt für die LFK.“

Ohrenspitzer setzt bereits bei der ganz jungen Zielgruppe an, in den Kindertagesstätten und Grundschulen lehrt das Projekt Hörverstehen und ein entdeckendes Lernen von und mit Geräuschen und Musik. Zuhören lernen, das ist ein erster Schritt zur Medienkompetenz. Dass das selbst Erwachsenen schwerfallen kann, weiß Prof. Dr. Margarete Imhof vom Institut der Psychologie und der Bildungswissenschaften der Uni Mainz.

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Was können Lehrkräfte tun, damit Ihre Schüler/-innen ihnen zuhören? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Professorin Margarete Imhof seit einigen Jahren. Dabei hat sie auch ein komplexes Modell entwickelt, dass sie den Teilnehmer/-innen des Ohrenspitzer-Jahrestags vorstellte. Es folgen einige Praxistipps: Wie können Lehrkräfte das Zuhören fördern, ohne großen Mehraufwand zu haben?

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Lehrkräfte müssen zuhörbar Unterrichten. Dazu gehört:

  • Es sollten möglichst unterschiedliche Zuhöraufgaben geschaffen werden (Gruppenarbeiten, Klassengespräche, Partnerarbeit, Lehrerpräsentation).
  • Zuhören braucht ein Motiv, daher sollten Lehrkräfte Schüler/-innen (dem Alter entsprechend) konkrete Zuhöraufgaben geben, um eine inhaltliche Fokussierung zu ermöglichen sowie thematisieren, warum das vermittelte Wissen wichtig ist.
  • Die Schere zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation sollte thematisiert und analysiert werden (frühestens ab Klasse 3/4).
  • Sinneseindrücke und Emotionen sowie ungestillte Bedürfnisse wie Hunger können die Zuhörsituation beeinflussen, in der Lernsituation sollten daher Pausen zugelassen und Ablenkungsmöglichkeiten vermieden werden.
  • Da das Ohr von sich aus nicht fokussieren kann, wie das Auge es tut, sollten Störgeräusche vermieden werden. Es kostet viel Kraft, sich auf das Relevante zu konzentrieren. Alles, was nicht bewusst aufgenommen wird, kann nicht rekonstruiert werden.
  • Es muss eine Überprüfung stattfinden, ob das Gehörte richtig gegliedert wurde. Das passiert durch eine Abfrage des Gelernten oder das sich gegenseitig Erklären.
  • Wissen muss immer an Vorwissen angeknüpft werden, um es im Langzeitgedächtnis abzuspeichern und das Wissensnetz zu verdichten. Daher sollte der Wissensstand zum Thema abgefragt oder ins Bewusstsein gerufen werden.
  • Strategien und Techniken an die Hand geben, um Wissen aufzunehmen (wichtige Elemente mitschreiben, üben, usw.).

Lehrkräfte müssen Schüler/-innen zur Selbstregulation anleiten:

  • Motivation der Schüler/-innen auch bei unterschiedlichem Wissensstand aufrechterhalten (gegebenenfalls brauchen nicht alle Schüler/-innen eine tiefere Erklärung – führt zum Ausstieg Einzelner aus dem Unterricht).
  • Mit dem Alter zunehmend thematisieren, dass selbstständig Ziele gesetzt und Zuhör- sowie Lern-Strategien angewandt werden müssen.
  • Ein sicherer Raum für Fragen zu Nichtverstandenem oder unbekannten Wörtern muss bewusst gegeben werden.
  • Thematisieren, dass die eigene Einstellung Einfluss auf die Lernerfahrung hat.
  • Informationsverarbeitungsverhalten zu kontrollieren muss erlernt werden – welche Art des Lernens beim Zuhören ist zielführend? (Z.B. nicht jedes Detail mitschreiben! Wie kann ich wieder einsteigen, wenn ich ausgestiegen bin?)
  • Gehörtes am Ende der Stunde reflektieren und Feedback geben, ob früher eine Frage hätte gestellt werden müssen, um die Selbstregulation der Schüler/-innen zu trainieren.
  • Sinnvolle Übungen sind: Sinnentnehmendes Lesen, Wortschatztraining, Zusammenhänge in eigenen Worten formulieren.
  • Zuhörförderung darf nicht punktuell in Form eines Projekttages passieren, sie muss kontinuierlich in den Unterricht integriert werden.

Und Zuhören sollte natürlich auch Spaß machen. Hierzu eignen sich diverse kreative Übungen aus der Methodendatenbank des Ohrenspitzer-Programms.

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Ein Xylophon, Trompeten, Flöten, Hörner, Tröten, Percussions, ein Schlagzeug – das alles lässt sich (fast nur) aus Papier herstellen. Die Instrumente klingen dann ein bisschen anders und haben auch viel kreativere Namen. Man kann mit Papier aber tatsächlich musizieren. Michael Bradke, der bereits beim letztjährigen Ohrenspitzer-Jahrestreffen mit seinem MenschMusikMacher-Programm anwesend war, ließ die Teilnehmer/-innen experimentieren, erfinden und zeigte ihnen seine Kreationen von Musikinstrumenten aus Papier.

Mit dabei war auch eine einfache Anleitung für ein Ein-Euro-Mikrofon: Zusammengelötet aus einem Tonabnehmer, einem Stück Kabel und einem Klinkenstecker lässt es sich an ein herkömmliches Mischpult anschließen. Damit können dann alle Geräusche, die mit schwingendem Material, wie Holz, Papier oder Glas erzeugt werden, abgenommen und verstärkt werden. Aus einem Stück Pappe wird zum Beispiel eine Snare, aus einem Karton eine Bassdrum. Ein Schlagzeug lässt sich so zusammenstellen.

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Eine etwas zeitintensivere Möglichkeit der Audioarbeit mit Grundschüler(-inne)n ist die Arbeit mit dem Tablet. Es können zum Beispiel „Sprechende Bilder“ erstellt werden, bei denen Wörter bildlich dargestellt und mit passenden Geräuschen unterlegt werden oder Audiogeräusche als Hörrätsel von einzelnen aufgenommen und von der Klasse erraten werden. Im Workshop wurde ein Mini-Hörspiel aufgenommen.

Eine Box voller Dinge, mit denen man Geräusche machen kann, steht bereit, auf den Tischen liegen Tablets und eine Seite mit zwei Sätzen Text, dazwischen viel Platz für Anmerkungen. Es ist alles da, um ein Hörspiel aufzunehmen und kreativ zu gestalten. Ein paar Tipps können helfen, damit dieses Mini-Projekt erfolgreich wird.

Mit Grundschüler(-inne)n, so erzählt Julian Ehehalt, nutze er Tablets nur in entsprechenden Gummihüllen, die die Geräte auch vor Stürzen gut schützen. Aber bevor man loslegen kann, sind es die kleinen Dinge, die geprüft sein sollten:

  • Sind genügend Tablets im Medienzentrum oder der Schule vor Ort vorhanden? Ebenso Kopfhörer, damit es nicht zu laut wird und jede/-r das Aufgenommene anhören kann?
  • Sind die Akkus geladen, ist genug Zubehör wie Ladekabel und Mehrfachsteckdose vorhanden?
  • Gibt es an der Schule WLAN?
  • Gibt es genügend Platz, damit sich nicht alle Schüler/-innen gegenseitig die Aufnahmen mit lauten Geräuschen unbrauchbar machen?
  • Sind die Tablets upgedatet oder befinden sich verschiedene App-Versionen auf den Geräten?
  • Und dann gibt es noch zwei wichtige Regeln, die Ehehalt den Schüler/-innen mitgibt. 1. Wenn der Dirigent eine Anweisung gibt, bitte die Instrumente hinlegen. 2. Die Faustregel: Zwischen Mikrofon und Mund sollte immer eine Faust passen, damit ein gutes Tonergebnis dabei herauskommt.

Dann geht es los. Garageband ist eine App, mit der man Audioaufnahmen machen und digital verschiedene Musikinstrumente einspielen kann. Es gibt komplette Griffbretter und Tastaturen, aber auch vorgefertigte Beats, die man in ein Musikstück einbinden kann. Je nach Vorwissen kann ein Instrument daher eingespielt oder in bestimmten Rhythmen eingebunden werden. So kann ein Hörspiel mit der eigenen Stimme, Geräuschen und Musik unterlegt werden. Auch können Aufnahmen nachbearbeitet werden, zum Beispiel in dem Unnötiges herausgeschnitten oder die Stimme verzerrt wird.

Garageband ist eine App für kreative Audioerfahrungen aller Art. Sie hat nur zwei Nachteile: Man braucht dazu ein iPad und um sie umfangreich nutzen zu können, muss man dafür etwas bezahlen. Zur Professionalisierung ist es möglich, mit entsprechend zu kaufenden Adaptern, echte Instrumente ans iPad anzuschließen.

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Das Ohrenspitzer-Projekt bringt seit 2003 Kinder im Alter zwischen drei und 14 Jahren mit der Bedeutung des gekonnten Zuhörens, interessanten Hörspielen und aktiver Hörspielgestaltung in Berührung. Es ist mittlerweile in über 35 Landkreisen in Baden-Württemberg vertreten und bietet über 100 Veranstaltungen pro Jahr an. Das LMZ ist von der LFK bis Sommer 2018 für die Umsetzung von Ohrenspitzer in Baden-Württemberg beauftragt. Ohrenspitzer ist ein Angebot der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS). Stifter sind die LFK, die LMK und der SWR.

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